Pokémon-Karten Wert ermitteln
Die meisten Anleitungen enden bei „schau auf Cardmarket“. Das ist der richtige Ort, beantwortet aber die Frage nicht, weil dort vier verschiedene Zahlen stehen und keine erklärt, welche für deine Karte gilt.
Zuletzt überarbeitet am
Zuerst: welche Karte ist es überhaupt?
Ein Kartenname allein reicht nie. „Glurak“ gibt es in über hundert Ausführungen, und zwischen der billigsten und der teuersten liegen mehrere Größenordnungen. Was die Karte eindeutig macht, sind drei Angaben, die alle auf der Karte selbst stehen.
Die Setnummer steht unten, meist als „123/198“. Die erste Zahl ist die Kartennummer, die zweite die Setgröße. Liegt die Kartennummer über der Setgröße, hast du eine Secret Rare, also eine Karte jenseits der offiziellen Setliste. Das ist fast immer die wertvollere Variante.
Das Set-Kürzel steht daneben oder darunter. Und die Sprache erkennst du am Text: eine deutsche Karte ist nicht dasselbe Produkt wie die englische mit derselben Nummer, und die Preise laufen auseinander.
- Kartennummer und Setgröße, unten auf der Karte
- Set-Kürzel oder Set-Symbol
- Sprache der Karte, nicht die Sprache des Verkäufers
- Druck: normal, Reverse Holo oder Holo
Der Druck ist kein Detail
Reverse Holo bedeutet, dass die Kartenfläche glänzt und das Bild matt bleibt. Bei der normalen Version ist es umgekehrt. Es ist dieselbe Karte mit derselben Nummer, aber ein anderes Produkt mit einer eigenen Preisreihe.
In unserem Bestand tragen 77,8 Prozent der Karten beide Preisreihen. Der Unterschied zwischen ihnen liegt im Median beim 2,83-fachen. Im Extremfall haben wir Faktor 41 gemessen: Evoli aus xy7 #63 steht bei 0,57 Euro normal und 23,50 Euro als Reverse Holo.
Wer den Druck nicht angibt, bekommt also im Mittel einen fast dreifach falschen Wert. Das ist der häufigste Einzelfehler bei der Wertermittlung, und er passiert leise.
Dann: welcher Preis gilt?
Cardmarket veröffentlicht täglich einen Preisguide mit mehreren Zahlen: Preistrend, Durchschnitt der letzten 1, 7 und 30 Tage. Sie beantworten verschiedene Fragen, und die meisten Anleitungen nennen nur eine davon.
Der Preistrend ist Cardmarkets eigene Einschätzung des aktuellen Marktniveaus. Der 30-Tage-Durchschnitt ist träger, dafür robuster gegen einzelne Ausreißer. Bei einer Karte, die selten gehandelt wird, kann ein einziger Verkauf den Trend deutlich verschieben, während der Monatswert ruhig bleibt.
Wichtig und selten gesagt: diese Werte gelten marktweit über alle Kartensprachen hinweg. Sie sind kein deutscher Preis, auch wenn du sie auf der deutschen Seite liest.
| Wert | Beantwortet | Vorsicht bei |
|---|---|---|
| Preistrend | Wo steht die Karte gerade? | seltenen Karten, einzelne Verkäufe verschieben ihn stark |
| Ø 1 Tag | Was wurde gestern gezahlt? | sehr sprunghaft, taugt allein nicht als Wert |
| Ø 7 Tage | Wie war die Woche? | kurz nach Set-Release noch instabil |
| Ø 30 Tage | Wo liegt das ruhige Niveau? | reagiert spät auf echte Bewegungen |
Zuletzt: der Zustand
Alle veröffentlichten Preise beziehen sich auf Near Mint, also praktisch neuwertig. Für schlechtere Zustände gibt es keine offiziellen Werte, weil Cardmarkets Preisguide den Zustand gar nicht aufschlüsselt.
Es gibt also nichts, woraus sich ein Abschlag berechnen ließe. Was in Umlauf ist, sind Faustregeln aus der Sammlergemeinschaft. Wir verwenden sie auch, aber wir nennen sie beim Namen, statt sie als Messung auszugeben.
Was du am Ende hast
Eine belastbare Einschätzung, kein Verkaufspreis. Was jemand tatsächlich zahlt, hängt vom Zustand, vom Zeitpunkt und davon ab, wie schnell du verkaufen willst. Der günstigste Treffer in einer Angebotsliste ist ein Ab-Preis, kein Marktwert: er zeigt, was ein einzelner Verkäufer verlangt, nicht was die Karte gilt.
Deshalb geben wir einen Marktwert erst ab drei unterschiedlichen Verkäufern aus und bilden ihn als Median der günstigsten Angebote von bis zu fünf Verkäufern. Darunter steht dort ein Ab-Preis und ist auch so beschriftet.
Häufige Fragen
- Sind alte Pokémon-Karten automatisch wertvoll?
- Nein. Alter allein sagt wenig. Entscheidend sind Seltenheit, Auflage, Zustand und Nachfrage. Eine gewöhnliche Karte von 1999 in gebrauchtem Zustand ist oft nur wenige Cent wert, während einzelne Karten aus denselben Sets vierstellig gehandelt werden.
- Was ist der Unterschied zwischen Trendpreis und Durchschnitt?
- Der Trendpreis ist Cardmarkets Einschätzung des aktuellen Niveaus und reagiert schnell. Der 30-Tage-Durchschnitt ist der ruhigere Wert. Bei selten gehandelten Karten kann der Trend durch einzelne Verkäufe stark springen; dann ist der Monatswert die ehrlichere Auskunft.
- Zählt der Preis eines deutschen Verkäufers als deutscher Kartenpreis?
- Nein, und das ist eine Verwechslung, der wir selbst aufgesessen sind. Der Standort des Verkäufers sagt nichts über die Sprache der Karte. Ein deutscher Händler verkauft überwiegend englische Karten. Sprache und Verkäuferland sind zwei getrennte Filter.
- Brauche ich ein Grading, um den Wert zu kennen?
- Für die Einschätzung nicht. Ein Grading verändert das Produkt: eine eingeschweißte, bewertete Karte hat einen eigenen Markt mit eigenen Preisen, die mit dem ungegradeten Wert nur lose zusammenhängen. Es lohnt sich nur bei hohen Werten und sehr gutem Zustand.
Weiterlesen
Nachschlagen statt nachlesen
Alle Begriffe kurz erklärt findest du im Lexikon. Was Preisdex tatsächlich an Daten hat und wo die Lücken sind, steht im Datenstatus.