Grading: wann es sich lohnt und wann nicht
Bei modernen Karten gibt es nur ein Ergebnis, das den Aufwand bezahlt. Alles darunter ist teuer eingekaufte Enttäuschung.
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Grading macht aus deiner Karte ein anderes Produkt
Beim Grading schickst du eine Karte an einen Dienstleister. Der bewertet den Zustand auf einer Skala bis 10, schweißt sie in einen versiegelten Halter ein und gibt ihr eine Nummer. Was zurückkommt, ist nicht mehr deine Karte mit einem Zertifikat, sondern ein eigenes Handelsobjekt.
Das ist der Punkt, den die meisten Anleitungen überspringen: eine gegradete Karte hat einen eigenen Markt mit eigenen Preisen. Sie lässt sich nicht mehr spielen, nicht mehr in einen normalen Ordner stecken und nicht ohne Zerstörung des Halters wieder ausbauen. Und der Preis einer PSA-9-Karte hat mit dem Preis der ungegradeten Karte oft weniger zu tun, als man erwartet.
Preisdex zeigt ungegradete Karten. Wenn du hier einen Wert siehst, ist das der Wert der Karte, wie sie in deiner Hand liegt.
Bei modernen Karten zählt nur die 10
Der Grund ist Angebot. Moderne Karten kommen in großer Zahl aus der Produktion, und viele davon sind in sehr gutem Zustand. Eine 9 ist deshalb nichts Besonderes, sondern der Normalfall.
Öffentliche Auswertungen von PSAs Population Report nennen für die vergangenen zehn englischen Sets Gem Rates zwischen 31 und 46 Prozent. Gem Rate heißt: der Anteil der eingeschickten Karten, der eine glatte 10 bekommt. Bei bestimmten Sonderdrucken liegt der Wert niedriger, für Master-Ball-Reverse-Holos werden im Schnitt 22,3 Prozent genannt.
Aus diesen Zahlen folgt die praktische Regel: rund jede dritte bis zweite eingeschickte moderne Karte kommt als 10 zurück. Damit ist eine 10 zwar besser als der Durchschnitt, aber keine Rarität, und alles darunter ist schlicht häufig. Nur bei deutlich niedrigeren Gem Rates entsteht echte Zustandsknappheit, und die gibt es bei Neuware fast nie.
Diese Zahlen stammen aus öffentlichen Auswertungen Dritter, Stand August 2026. Wir haben sie nicht selbst gemessen und führen keine eigenen Grading-Daten.
| Gem Rate | Bedeutung | Kommt vor bei |
|---|---|---|
| über 30 % | eine 10 ist gut, aber häufig | den meisten modernen Sets |
| 10 bis 30 % | spürbar schwieriger | Sonderdrucken, Master-Ball-Varianten |
| unter 10 % | echte Zustandsknappheit | älteren Karten, schwierigen Oberflächen |
| unter 1 % | Trophäe, unabhängig von der Auflage | Vintage in Spitzenzustand |
Was es kostet
Der günstigste PSA-Tarif beginnt bei etwa 20 US-Dollar je Karte, dazu kommt internationaler Versand von grob 30 bis 50 Euro pro Sendung. Realistisch landest du bei rund 50 bis 70 US-Dollar pro Karte, wenn du selbst einschickst.
Über deutsche Zwischenhändler wird es bequemer und teurer: für den regulären Service werden Ende Juli 2026 Preise von etwa 105 bis 113 Euro je Karte bei 30 bis 60 Werktagen genannt. Seit Sommer 2026 gibt es eine europäische PSA-Annahmestelle in Frankfurt, wodurch der Umweg über den US-Zoll entfällt.
Deutsche Anbieter sind deutlich günstiger und schneller. Für AOG werden 10 bis 25 Euro bei 7 bis 21 Tagen genannt. Der Haken: die internationale Zahlungsbereitschaft hängt am Namen des Graders, und PSA ist dort die Referenz. Für den Weiterverkauf in Deutschland kann ein deutscher Grader trotzdem die richtige Wahl sein.
Auch diese Preise sind Angaben Dritter mit Stand Sommer 2026. Sie ändern sich, prüfe sie beim Anbieter, bevor du rechnest.
Die Rechnung
Grading lohnt sich, wenn der Wertzuwachs die Kosten übersteigt. Das klingt banal, wird aber selten zu Ende gerechnet, weil zwei Posten gern vergessen werden.
Erstens: du zahlst die Gebühr auch, wenn eine 8 zurückkommt. Bei einer Gem Rate von einem Drittel bezahlst du also im Schnitt drei Einsendungen, um eine 10 zu bekommen. Die Kosten der Fehlschläge gehören in die Rechnung der einen erfolgreichen Karte.
Zweitens: der Wert der ungegradeten Karte ist weg. Du kannst sie nicht mehr als Karte verkaufen, wenn das Ergebnis enttäuscht.
Als grobe Schwelle wird ein Kartenwert ab etwa 80 bis 100 Euro genannt. Rechne mit deinen eigenen Zahlen nach, bevor du dich darauf verlässt: bei einer Karte für 90 Euro und 60 Euro Gebühr müsste die gegradete Version deutlich über 150 Euro liegen, damit sich der Aufwand samt Fehlschlagsrisiko trägt.
Was du vorher selbst prüfen kannst
Die häufigste Ursache für eine 9 statt einer 10 ist die Zentrierung, und die kannst du vor dem Einschicken sehen. Halte die Karte gerade und vergleiche die Randbreiten links gegen rechts und oben gegen unten. Ist ein Rand sichtbar breiter, wird es keine 10.
Danach kommen Oberflächenkratzer und weiße Ecken. Beides prüfst du im Gegenlicht, nicht auf dem Tisch. Wer das ernsthaft macht, sortiert einen großen Teil der Kandidaten aus, bevor Geld fließt, und verbessert damit die eigene Trefferquote erheblich.
Was Preisdex dazu nicht sagen kann
Wir führen keine eigenen Grading-Preise und keine eigenen Populationsdaten. Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus öffentlichen Auswertungen Dritter und sind hier als solche gekennzeichnet.
Wenn dir woanders eine Seite eine exakte Wertsteigerung durch Grading verspricht, frag nach der Stichprobe. Der Aufschlag hängt an Karte, Set, Auflage, Zeitpunkt und daran, wie viele PSA-10-Exemplare bereits existieren. Eine allgemeingültige Zahl dafür gibt es nicht, und wer sie nennt, hat sie sich ausgedacht.
Häufige Fragen
- Lohnt sich Grading bei neuen Karten?
- Nur bei hohem Kartenwert und wirklich makellosem Zustand. Öffentliche Auswertungen nennen für moderne Sets Gem Rates von 31 bis 46 Prozent, eine PSA 10 ist dort also häufig und entsprechend niedrig bepreist. Bei Gebühren von grob 50 bis 110 Euro je Karte trägt sich das erst ab einem Kartenwert von etwa 80 bis 100 Euro.
- Was ist eine Gem Rate?
- Der Anteil der eingeschickten Karten, der eine glatte 10 bekommt, berechnet als PSA-10-Anzahl geteilt durch alle gegradeten Exemplare. Je niedriger die Gem Rate, desto schwieriger ist der Spitzenzustand und desto größer der Preisunterschied zwischen 9 und 10.
- Was kostet PSA-Grading aus Deutschland?
- Beim direkten Einschicken grob 50 bis 70 US-Dollar je Karte inklusive Versand, über deutsche Zwischenhändler etwa 105 bis 113 Euro bei 30 bis 60 Werktagen. Deutsche Anbieter wie AOG liegen bei 10 bis 25 Euro. Angaben Dritter, Stand Sommer 2026, ändern sich laufend.
- Warum bekommt meine Karte keine 10?
- Am häufigsten wegen der Zentrierung. Ungleich breite Ränder erkennst du vor dem Einschicken selbst, indem du links gegen rechts und oben gegen unten vergleichst. Danach folgen Oberflächenkratzer und weiße Ecken, beides im Gegenlicht sichtbar.
- Zeigt Preisdex Preise für gegradete Karten?
- Nein. Die Werte hier gelten für ungegradete Karten, so wie sie in deiner Hand liegen. Eine gegradete Karte ist ein eigenes Produkt mit einem eigenen Markt.
Weiterlesen
Nachschlagen statt nachlesen
Alle Begriffe kurz erklärt findest du im Lexikon. Was Preisdex tatsächlich an Daten hat und wo die Lücken sind, steht im Datenstatus.